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Montessori-Schule
 

Trainingsraum

Es ist uns ein besonders Anliegen, im Sinne einer möglichst ganzheitlichen Sichtweise auf das Kind nicht nur seine kognitiven Potenziale zu fördern, sondern auch seine seelischen. Wir kümmern uns sehr um ein friedliches Miteinander in unserer Schule und achten sehr auf einen wertschätzenden Umgang miteinander. Das Sozialverhalten unserer Kinder und Jugendlichen wird im Schulalltag in allen Klassen fortwährend trainiert. Darüber hinaus kann dies bei besonderen Verhaltensproblemen oder Konflikten auch in unserem „Trainingsraum“ geschehen.

Trainings- oder Time-out-Räume gibt es seit vielen Jahren an Förderzentren, Förderschulen und innovativen Regelschulen. Sie werden eingerichtet, um Schülerinnen und Schüler mit störendem bzw. abweichendem Verhalten in einem strukturierten Rahmen klare Konsequenzen und Regeln zu vermitteln und sie aus einem häufig immer wiederkehrenden negativen Kreislauf in der Lehrer-Schüler-Beziehung zu entlasten (i.S.e. Deeskalation).

Auch an unserer Schule stören immer wieder Schülerinnen und Schüler mit Lern- und Konzentrationsproblemen, Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS) oder Aufmerksamkeitsstörungen hyperaktiver Art (ADHS), Defiziten im sozial-emotionalen Bereich, Misserfolgsorientierung, mangelndem Selbstwertgefühl oder innerfamiliären Konfliktsituationen den Unterrichtsablauf. Sie stören nicht nur ihre Mitschüler in der Klassengemeinschaft oder den Unterrichtserfolg, sondern auch die unterrichtenden Lehrerinnen und Lehrer bzw. Fachlehrkräfte durch ihr auffälliges Verhalten.

Grundlage der Trainingsraum-Methode ist die Anerkennung, dass Lehrer und Schüler sich in der Schule in einer Gemeinschaft befinden, die durch klare Regeln und Konsequenzen  gekennzeichnet ist:

  • Jeder Schüler, jede Schülerin hat das Recht auf einen guten Unterricht und die Pflicht, diesen störungsfrei auch an einer Montessori-Schule zu erhalten (Stichwort „Freiheit und Disziplin“)
  • Jede Lehrkraft hat das Recht auf einen weitgehend störungsfreien Unterricht und die Pflicht, diesen gut zu gestalten
  • Rechte und Pflichte von Lehrern und Schülern müssen von allen gewahrt, respektiert und erfüllt werden.

Bei Störungen im Unterricht sollen die Schülerinnen und Schüler noch bevor sie in den Trainingsraum geschickt werden folgende Schlüsselfragen beantworten:

  • was tust Du gerade?
  • Gegen welche Regel verstößt Du?
  • Was geschieht, wenn Du gegen die Regel verstößt?
  • Wofür entscheidest Du Dich?
  • Wenn Du wieder störst, was passiert dann?

Der Sinn dieser Fragen besteht darin, dass die Schülerinnen und Schüler sich ihres Störverhaltens bewusst werden, die Regeln benennen, gegen die sie verstoßen haben und dann eine Entscheidung treffen. Sie können sich dafür entscheiden, im Klassenraum zu verbleiben oder aber gleich in den Trainingsraum zu gehen. Sie wissen, dass sie diese Entscheidung bei einer zweiten Störung nicht mehr haben.

Für viele Kinder und Jugendlichen mit labilem Verhalten, mit häufig störendem Verhalten sind klare Regeln und Konsequenzen auch bezüglich des Trainingsraumes unbedingt wichtig und bieten ihnen sowie den Lehrkräften gleichzeitig Gewinn und Chancen:

  • für die Schülerinnen und Schüler: ich störe, werde aber nicht abgelehnt
                                                                  ich mache mir die Regelverletzung bewusst
                                                                  ich überlege und bedenke die Konsequenzen
                                                                  ich bin für mein Tun selbst verantwortlich
                                                                  ich denke darüber nach, was ich verändern kann
                                                                  ich werde unterstützt
  • für die Lehrerinnen und Lehrer:   ich habe die Möglichkeit, einen störungsfreieren Unterricht halten zu können
                                                                 Weniger Ermahnungen, kein Verhandeln, keine langen Diskussionen
                                                                 
    stringentes Verhalten bei Störungen
                                                                 ich trage Verantwortung für den Rest der Klasse
                                                                 ich bin entlastet, wenn der störende Schüler gut im Trainingsraum angekommen
                                                                 und aufgehoben ist.

Im Trainingsraum ist Platz für zwei bis drei Schüler. Im Sinne einer vorbereiteten Umgebung nach Maria Montessori ist er mit Montessori-Materialien ausgestattet vor allem im Bereich Mathematik und Sprache sowie anderen didaktischen Unterrichtsmaterialien. Häufig bringen die Schülerinnen und Schüler das Lern- und Arbeitsmaterial mit, an dem sie während der störenden Konfliktsituation gerade arbeiten.

Die Kinder und Jugendlichen werden in der Regel von ihren Klassenlehrkräften oder Assistenten der Klasse persönlich gebracht. Der Sachverhalt wird kurz der Trainingsraumlehrkraft geschildert. Kommt ein Kind alleine, hat es einen Laufzettel dabei, auf dem Uhrzeit und Grund des Besuches kurz als Information vermerkt sind.

Der eigentliche Aufenthalt im Trainingsraum kann strukturiert sein, indem das Kind einfach mit einem Material oder am Lernstoff weiter arbeitet und so zur Ruhe kommen kann. Die Trainingsraumlehrkraft entscheidet situativ, wie der Konflikt am besten gelöst werden kann.
Oft schreiben Kinder die Konfliktsituation auf oder besprechen sie mit  der Lehrkraft.
Das Störverhalten wird immer reflektiert: Ursachen werden herausgearbeitet, die zum Konflikt führten. Es wird die Frage gestellt und beantwortet, ob sich das Kind oder der Jugendliche  ein zukünftiges störungsfreies Verhalten vorstellen kann. Dieses wird dann konkret positiv benannt und aufgeschrieben. Es sollen auch Widerstände besprochen werden, welche die Schüler davon abhalten könnten und es sollte versucht werden, eine positive Konnotation zum neuen Verhalten herzustellen, damit es gut verankert werden kann.
Zusammen können Handlungsalternativen oder „Brücken“ zu den Konfliktpartnern gebaut werden. Diese werden manchmal im Rollenspiel trainiert und regelrecht eingeübt.

Am Ende des Gespräches mit der Trainingsraumlehrkraft erstellen die Schüler einen Plan, der zur Rückkehr in die Klasse berechtigt und der inhaltlich das neue Verhalten beschreibt, das die Schüler bereit sind zu zeigen. Falls notwendig, wird das Kind in die Klasse begleitet.

Jeder Aufenthalt im Trainingsraum wird dokumentiert. Wenn Schülerinnen und Schüler mehr als 5 mal im Trainingsraum waren, informieren wir die Eltern und Erziehungsberechtigten und bitten zu einem gemeinsamen Gespräch, in dem weitere erzieherische Konsequenzen bzw. Hilfsangebote überlegt werden.