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Montessori-Pädagogik
 

Montessori-Pädagogik

Lernen, Erziehung und Entwicklung unserer Schülerinnen und Schüler sollen an dieser Schule vor allem unter den Gesichtspunkten der Integration/Inklusion und der Montessori-Pädagogik stattfinden. Um den Schulalltag in der Heiglhofstraße in Großhadern und in der Reutberger Straße in Sendling besser verstehen zu können, geben wir einen kurzen Einblick in die Montessori-Pädagogik.

Die nachfolgend dargestellten theoretischen Grundelemente der Montessori-Pädagogik dürfen niemals isoliert für sich gesehen werden, sondern müssen immer ganzheitlich miteinander betrachtet werden. Sie bedingen sich gegenseitig und stellen ein Grundgerüst dieser Pädagogik dar. Wörtliche Zitate Maria Montessoris sind entsprechend gekennzeichnet. Die Inhalte dieser theoretischen Grundlagen sollen im Kontext ihrer Entstehung zu Beginn des 20. Jahrhunderts, also vor ungefähr 100 Jahren, interpretiert werden.

Maria Montessoris (1871 – 1952) Menschenbild ist geprägt durch die Einflüsse und Elemente der Reformpädagogik zu Beginn des 20. Jahrhunderts, in der erstmals die Person des Kindes ganzheitlich in den Mittelpunkt gestellt wurde („Die Bewegung vom Kinde aus“).
Im Gegensatz zu den meisten namhaften Reformpädagogen ihrer Zeit (z. B. Kerschensteiner) ging Montessori in der Entwicklung ihres pädagogischen Konzeptes nicht von einem theoretischen Ansatz aus, sondern von der Wirklichkeit des Kindes: sie stützte sich auf ihre persönliche Beobachtung und Wahrnehmung der Kinder und entwickelte erst daraufhin ihre pädagogischen Theorien.

Ihre geistigen Wurzeln findet man bei Medizinern (Itard, Seguin), Philosophen (Rousseau) und Pädagogen (Pestalozzi, Fröbel) des 18. und 19. Jahrhunderts, die – trotz aller Unterschiede – übereinstimmend die Entwicklung und Übung der Sinne als Vorstufe für das abstrakte Lernen ansahen.

Montessori sieht das kindliche Individuum ganzheitlich als Einheit von Körper, Seele und Geist. Die Kindheit betrachtet sie als Stadium der Menschheit, das seinen Wert in sich hat. Die Entwicklung, das Reifen zum Erwachsenen vollbringen nicht die Erwachsenen, sondern das Kind selbst ist „der Bildner seiner Persönlichkeit“. Die Entwicklungsarbeit, die das Kind leistet, wird von „inneren Gesetzen“ geleitet, die der Erwachsene vertrauensvoll „als das Geheimnis des Kindes“ anerkennen soll. Das ganze unbewusste Streben des Kindes ist nach Montessori auf Loslösung und Unabhängigkeit von uns Erwachsenen gerichtet. Durch Eigentätigkeit, durch den aktiven Umgang und die Auseinandersetzung mit seiner Umwelt erlangt das Kind Selbstständigkeit und wird zur unabhängigen und freien Persönlichkeit („Hilf mir, es selbst zu tun“).

Mit diesem Menschenbild Maria Montessoris sind zugleich die wichtigsten Erziehungsziele dieser Pädagogik abgesteckt: das Kind soll sich von Geburt an schrittweise zu einem selbstständigen, unabhängigen und emanzipierten Menschen entwickeln können. Auch Lernen soll ganzheitlich, d.h. mit allen Sinnen geschehen können. Das Kind arbeitet und lernt  so individuell als möglich entsprechend seinem jeweiligen Lern- und Leistungsstand. Dazu braucht es eine entsprechend vorbereitete Lernumgebung (Material) und genau beobachtende Erwachsene (Eltern, Erzieher, Lehrer), die seine Entwicklungsarbeit möglichst wenig stören („Was braucht das Kind?“).

Der "neue" Erzieher

Der neue Erzieher i.S.v. Montessori, also Lehrer und Eltern, sollte folgende Grundhaltungen haben:

  • Erteilung von Lektionen
  • genaue Kenntnis und Pflege des Unterrichtsmaterials
  • Gestaltung der Freiarbeit
  • das Setzen von Grenzen, um das Kind beispielsweise vor Störungen zu bewahren,
  • Bereitstellung einer entsprechend vorbereiteten Umgebung

hghUnsere Lehrer gelten als Bindeglied zwischen Kind und Umgebung, als Gehilfe und Lernförderer des Kindes (und nicht als sein Baumeister) und „Anreger kindlicher Freiheit“, sie  sind ein sehr wichtiges Vorbild (Modell).

Montessori-Prinzipien:

Die vorbereitete Umgebung

Sie ist ein wichtiges Prinzip der Montessori-Pädagogik. Um ihre innere Ordnung entfalten zu können, brauchen Kinder laut Montessori eine sorgfältig gestaltete äußere Umgebung. Zuhause, im Kinderhaus und in der Schule soll jedes Kind in einer sorgfältig geplanten und strukturierten Umgebung spielen und lernen können. Eine zentrale Aufgabe der Montessori-Pädagogen liegt daher in der Gestaltung der vorbereiteten Umgebung entsprechend der Entwicklungsphasen (sensiblen Phasen) und Bedürfnisse des Kindes. Die Lern- und Arbeitsmaterialien sollen ansprechend, für das Kind gut erreichbar angeordnet sein, sie müssen vollständig und sauber präsentiert werden. Deshalb ist es notwendig, dass das Material regelmäßig gepflegt, kontrolliert und gereinigt wird. Von Zeit zu Zeit muss es ergänzt, ausgetauscht und durch neue Materialien, dem Entwicklungsstand des Kindes entsprechend verändert werden. Die vorbereitete Umgebung soll kindgerecht sein, sodass das Kind die Möglichkeit hat, Materialien und Aufgaben frei wählen zu können.

Polarisation der Aufmerksamkeit

Ein Kind wählt aus der vorbereiteten Umgebung  im Klassenzimmer eine Aufgabe und beginnt, sich intensiv damit auseinander zu setzen. Die Montessori-Lehrkraft soll das Kind nun nicht mehr stören oder unterbrechen. Im Idealfall verschmilzt das Kind mit dieser Aufgabe, es arbeitet hoch konzentriert. Polarisation der Aufmerksamkeit ist der intensive Kontakt des Kindes mit dem Lerngegenstand und der Kernpunkt der Montessori-Pädagogik. Sie zu ermöglichen ist die wichtigste Aufgabe für jeden Erzieher. Montessori spricht von der „Sammlung der kindlichen Kräfte“, der inneren Loslösung des Kindes von seiner Umgebung.

Die Große Arbeit

Die Hauptphase der Polarisation der Aufmerksamkeit umfasst die Große Arbeit des Kindes und dauert unterschiedlich lange. Sie ist bedeutsam für die intelektuelle, emotionale und soziale Entwicklung des Kindes. Wichtige Bedingungen sind z.B. die behutsame Zurückhaltung und indirekte Lenkung des Lehrers, aber auch ein Angebot an angemessenen Übungen und Materialen (vorbereitete Umgebung).

Die Große Arbeit kann sich über Phasen der Freiarbeit an einem Vormittag oder über mehrere Tage und Wochen in der intensiven Beschäftigung des Kindes mit einem Material oder zu einem Thema erstrecken. An unserer Schule führen Klassen der unterschiedlichen Jahrgangsstufen Projekte im Rahmen der Großen Arbeit über mehrere Wochen regelmäßig durch.

Die sensiblen Phasen des Kindes

Montessori teilt die kindliche Entwicklung in drei Hauptphasen ein, die Aufbau-, Ausbau- und Umbauphase. Jede Phase ist geprägt von einer besonderen Empfänglichkeit des Kindes von vorübergehender Dauer zum Erlernen bestimmter Fähigkeiten. Lehrer und Erzieher müssen das Kind ständig genau beobachten und feststellen, womit es gerade arbeitet oder wofür es Interesse zeigt.

Die Aufbauphase (0 – 6 Jahre) unterteilt Montessori in eine frühe Phase (0 – 3 Jahre), die charakterisiert ist durch die spezielle Geistesform, den „absorbierenden Geist“. Dies besagt, dass das Kind unbewusst und unreflektiert seine Umwelt absorbiert, aufnimmt, aufsaugt. In der anschließenden zweiten Phase (3 – 6 Jahre) analysiert dann das Kind seine Umwelt. Montessori spricht daher in diesem Zusammenhang bei der Entwicklung des Kindes „vom unbewussten Schöpfer zum bewussten Arbeiter“. Das Spiel sowie die entsprechend vorbereitete Umgebung (z.B. im Kinderhaus) sind hier von besonderer pädagogischer Bedeutung..

Diese Phasen sind wichtig für die Ausbauphase (6 – 12 Jahre), doch ist nun auch der Gang in die Natur (Schulgarten) und die Auseinandersetzung mit Versuchen für das Kind besonders interessant. Geprägt ist diese Phase nach Montessori durch eine Sensibilität für Moral, Gut und Böse und dem Sinn für Gerechtigkeit. Der kindliche Geist strebt hin zur Abstraktion. Während dieser Zeit ist das Kind auch sehr an der kosmischen Erziehung interessiert.

Die dritte Phase, die Umbauphase, umfasst den Zeitraum vom 12. bis zum 18. Lebensjahr. Sie ist häufig geprägt durch Labilität, der Suche nach Geborgenheit, dem Streben nach Selbstständigkeit und Unabhängigkeit. Von besonderer pädagogischer Bedeutung ist hier die Achtung und Anerkennung der jeweiligen notwendigen Bedürfnisse und Grenzen des Jugendlichen sowie die Stärkung seiner Selbstachtung, aber auch Geduld und Respekt vor seinen individuellen Neigungen und Problemen (z.B. während der Pubertät). Auch während dieser Phase ist es wichtig, dass verantwortungsbewusste Eltern und Erzieher das Kind bzw. den Jugendlichen immer mehr loslassen können. Häufig gibt es heute Konflikte mit Schulleistungen, Schulstress sowie zunehmenden Selbstfindungsproblemen unserer Jugendlichen.

Kosmische Erziehung

Sie umfasst die Lehre und Auseinandersetzung mit der Umwelt (= Weltall – Erde – kindliche Umgebung etc.). Lehrplanmäßig umfasst die kosmische Erziehung in der Grundschule die Inhalte des Heimat- und Sachkundeunterrichtes, in der Sekundarstufe Fächerverbindungen wie Physik-Chemie-Biologie oder Geschichte-Sozialkunde-Erdkunde. Dort werden die Inhalte in der Regel vom Einzelnen/Kleinen zum Ganzen/Großen durchgenommen. Das Kind hat dabei oft Schwierigkeiten, die Einzelfakten sinnvoll einordnen zu können. Die kosmische Erziehung, die schon im Kinderhaus beginnt, geht aber aus vom Ganzen (dem Kosmos, der Weltordnung, dem Universum allmählich hin zum Detail, hin zur Welt des Kindes) und bindet das Kind entsprechend seiner Entwicklungsphasen in unser gesamtes System ein. Zuerst erhält das Kind eine Übersicht, ein Ordnungsschema vom Globalen und dann immer mehr zu Einzelheiten (z.B. kennen lernen der Dimension Zeit seit der Erderstehung, danach immer überschaubarere Zeitepochen hin zu differenzierten historischen Abschnitten). Das Kind soll eine „Vision vom Ganzen“ haben, eine Ordnung um sich haben, in einer Ordnung leben können, um schließlich ein verantwortbares und emanzipiertes Mitglied als Weltbürger zu werden.

Kosmische Themen können gut projektorientiert behandelt werden und erfordern einen aktiven Umgang mit den Realien (z.B. Schulgarten). Durch die kosmische Erziehung wird die  Vorstellungskraft der Kinder aktiviert. Sie können sensibilisiert werden für die Vielfältigkeit der Meinungen.

Normalisierung

Unter Normalisierung versteht Montessori die personale Reorganisation. Grundsätzlich geht Montessori von einem positiven Menschenbild aus, d.h. Kinder sind eigentlich gut und normal. Der Begriff „Normalität“ im pädagogischen Zusammenhang soll hier nicht definiert oder diskutiert werden, aber Kinder zeigen auch Fehlverhalten und Verhaltensabweichungen verschiedenster Art. Die Einheit von Körper, Seele und Geist ist gestört, es zeigen sich Abweichungen. Montessori sieht in dieser äußeren Unordnung ein Spiegelbild der inneren Unordnung des Kindes. Die vielfältigen Ursachenbereiche für diese „unnormalen“ Verhaltensweisen sollen ebenfalls hier nicht diskutiert oder dargestellt werden, wohl aber Maria Montessoris Vorschlag zur Heilung dieser „Abwegigkeiten“, der Normalisierung: die Heilung kann über die kindliche Arbeit erfolgen, die geprägt ist durch Motivation, Aktivität und Konzentration (siehe Polarisation der Aufmerksamkeit). Wichtig hierbei ist die Vollendung der Arbeit, weil das Kind dadurch Befriedigung und Erfolgserlebnisse erfahren kann und so allmählich sein inneres Ungleichgewicht organisieren kann. Durch die tägliche Wiederholung einer vielleicht schwierigen Aufgabe, eines Lernthemas und der damit verbundenen Gewöhnung und Übung kann die kindliche Persönlichkeit gestärkt sowie Eigenverantwortung und Unabhängigkeit gefördert werden. Voraussetzungen hierfür sind wieder die vorbereitete Umgebung, der beobachtende und sensible `neue` Erzieher, ein intakter Klassenverbund sowie die aktive Mitarbeit und Unterstützung des Elternhauses.

Freiheit und Disziplin

Ein Kennzeichen des ´normalisierten´ Kindes ist, dass es in Freiheit und mit Disziplin arbeiten und lernen kann und will. Es mag vielleicht erscheinen, dass sich die beiden Begriffe „Freiheit“ und Disziplin“ einander widersprechen; in der Montessoripädagogik jedoch bedingen sie sich gegenseitig und stellen zwei Pole dar. „Freiheit bedeutet nicht, dass man tut was man will, sondern Meister seiner selbst zu sein. Sie ist dann erlangt, wenn das Kind sich seinen inneren Gesetzen nach, den Bedürfnissen seiner Entwicklung entsprechend entfalten kann. Das Kind ist frei, wenn es von der erdrückenden Energie der Erwachsenen unabhängig geworden ist“ (aus: Grundlagen meiner Pädagogik).

Diese Freiheit ist von den Erziehern zu beobachten und zu pflegen; sie ist „durch Ergriffenheit und Ehrfurcht“ zu respektieren. In der Praxis bedeutet das, dass nur notwendige und sinnvolle Hilfen gegeben werden sollen und die freie Wahl der Materialien ermöglicht sein muss (vorbereitete Umgebung). Diese freie Wahl soll aber nicht grenzenlos sein; eine Begrenzung soll das Kind durch seinen eigenen Entwicklungsstand, durch die Gemeinschaft (andere Kinder, die Lehrer etc.), durch seine eigene Körperlichkeit (z.B. Müdigkeit), durch den Faktor Zeit (auch sie kann nicht grenzenlos zur Verfügung stehen) sowie durch Sachgesetzlichkeiten (z.B. Material) erfahren können.

Die freie Wahl innerhalb dieser notwendigen Begrenzungen erfordert vom Kind gleichzeitig eine innere Disziplin, die es im selben Maße wie seine Freiheit entwickelt: ohne die notwendige Disziplin ist Freiheit nur schwer möglich.